Der Einsatz von Klettersitzen gewinnt in der modernen Waldjagd zunehmend an Bedeutung. Um den sicheren Umgang mit dieser Technik zu vermitteln, führte die Jägervereinigung Freiburg kürzlich zwei intensive Kurstage durch. Unter der Leitung von Heiner Höllerl, einem erfahrenen Fachmann und Ausbilder für diese Jagdart, nahmen insgesamt 15 Jägerinnen und Jäger teil. Während der Samstag von Sonnenschein geprägt war, forderten Regen und Nässe am Sonntag die Teilnehmer zusätzlich heraus – Bedingungen, wie sie auch im Jagdbetrieb vorkommen.
Theoretische Grundlagen am Schießstand Bremgarten
Am Vormittag widmete sich jede Gruppe der Theorie im Thoma-Haus in Bremgarten. Neben der rechtlichen Situation, die sich je nach Bundesland unterscheidet, stand die Materialkunde im Vordergrund. Heiner Höllerl demonstrierte verschiedene Ausrüstungsgegenstände sowie deren Vor- und Nachteile und erläuterte die Anforderungen an geeignete Baumarten. Besonders die Beschaffenheit der Rinde ist für einen sicheren Halt der Krallen entscheidend.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Einbindung von Klettersitz-Jägern in den organisierten Jagdbetrieb. Ein enges Zusammenspiel zwischen Jäger und Waldbesitz ist hierbei die Voraussetzung. Für die Organisation von Drückjagden wurden Empfehlungen genannt, wie mobile Ansitze optimal in die Planung und Durchführung integriert werden können. Auch die Ballistik kam nicht zu kurz: Welcher Haltepunkt ist zu wählen, um beim Schießen aus teils steilen Winkeln waidgerecht zu treffen? Praktische Kniffe zur Kommunikation im Revier und nützliches Zubehör rundeten den theoretischen Teil ab.
Praktische Ausbildung im Revier
Am Nachmittag wechselte die Gruppe ins Revier, um das Gelernte unter Aufsicht umzusetzen. Ein wichtiger Bestandteil der Baumkunde war das Erkennen von kranken oder toten Bäumen, was insbesondere in der laubfreien Zeit im Winter hohe Aufmerksamkeit erfordert.
Unter dem Leitsatz „Safety First“ übten die Teilnehmer die Eigensicherung. Um den Kurs erfolgreich abzuschließen, mussten mehrere Prüfungen bestanden werden. Dazu gehörten das kontrollierte Abseilen zur Eigenrettung aus sechs Metern Höhe sowie das Erklimmen eines Baumes mit dem Klettersitz bis zum Anschlagen einer Glocke. Zudem wurde das Einrichten des Sitzes für einen optimalen Schusswinkel und die Problemlösung bei technischem Versagen – etwa wenn die Fußplattform abrutscht – intensiv trainiert.
Ausbilder Heiner Höllerl betonte die Notwendigkeit dieser Übungen: „Diese Prüfungen sind wichtig, damit jeder herausfinden kann: Ist der Klettersitz etwas für mich, oder nicht?“
Besonderes Interesse weckte die Simulation von Schusskanälen. Mithilfe einer Reh-Attrappe aus Pappkartons und Alustäben wurde verdeutlicht, wie sich der Schusskanal durch den Wildkörper bei unterschiedlichen Höhen und Entfernungen verändert. Auch der Einsatz von Jagdhunden direkt vom Klettersitz aus wurde thematisiert und durch Vorrichtungen wie den „Schnallomat 2.0“ veranschaulicht. Ein Beispiel dafür, wie die einfachen Mittel oft die Besten sind.
Erfahrungsaustausch und Ausblick
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus. Ein Teilnehmer resümierte: „Ich habe unglaublich viel gelernt und vor allem waren die Tipps und Praxishinweise von Heiner sehr, sehr hilfreich!“. Auch, dass viele Teilnehmenden direkt einen Klettersitz im Anschluss bestellt haben, zeigt die positive Wirkung dieses Kurses und seines Ausbilders.
Ein wesentlicher Punkt für die Teilnehmer ist die formale Qualifikation: Die erfolgreichen Absolventen dieses Kurses kennen die Vorgaben der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie die Anforderungen der Landesforstbetriebe in Bayern, Hessen, Thüringen und Sachsen. Sie verfügen damit über die notwendige Fachkunde, um den Klettersitz nach dem aktuellen Stand der Technik sicher einzusetzen – eine Grundvoraussetzung für den Einsatz dieser Jagdart in vielen staatlichen Forstbetrieben.
In der Gruppe entstand der Wunsch, das Erlernte durch regelmäßige Übungstermine, beispielsweise auf dem Gelände in Bremgarten, zu festigen. Ziel ist es, die nötige Routine zu entwickeln, um das Konzept des Klettersitzes sicher in den Jagdalltag zu integrieren. Sobald die Handgriffe sitzen, bietet sich die Teilnahme an spezialisierten Klettersitzjagden an, wie sie bereits in anderen Regionen, etwa in Bayern, erfolgreich praktiziert werden.
Weitere Informationen
- Video der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg (Youtube)
- Video “Jagen mit dem Klettersitz: Mehr Stabilität” des ÖJV Bayern (Youtube)























